Time for Australia

Liebe Leser,

während ich gerade in Glasgow verweile (Blogpost incoming 😉 ) hat sich mein Bruder zu seiner Zeit in Australien geäußert. Auch auf seinem eigenen Blog äußert er sich immer wieder zu seinem aktuellen Trip. Viel Spaß beim Lesen!

(c) Robert Vogel

Nicht alles läuft immer nach Plan – besonders beim Reisen trifft das definitiv zu. Pläne sind schön und gut, aber außerhalb von Kurztrips und Urlauben eher nicht sehr sinnvoll. Ich zum Beispiel hatte Pläne. Ich wollte nach Australien kommen, zwei bis drei Monate arbeiten, danach die Westküste entlang reisen, wieder drei Monate arbeiten und dann die Restzeit wiederum reisen. Ich wollte an keinem Ort zu lange bleiben, den gesamten Kontinent erkunden, unzählige Leute kennenlernen, Erfahrungen machen, Dinge erleben, Orte erkunden… Nach mehr als acht Monaten Australien sieht die Bilanz jetzt allerdings etwas ernüchternd aus. Ich war keinen einzigen Tag außerhalb von Western Australia, dem größten Staat Down Unders, habe bisher sechs Monate gearbeitet und die Restzeit fast ausschließlich in Perth und Fremantle verbracht. Jetzt muss ich mir wieder einen Job suchen, nachdem unser Campervan, in den wir viel Zeit und Geld investierten, nach drei Tagen Roadtrip kaputt gegangen ist. Eine ewig lang wirkende Woche hat es gedauert, bis wir aus dem winzigen Vorort zwischen Albany und Esperance raus kamen, ein Bekannter Australier fuhr den ganzen Weg hinunter um uns Abzuschleppen. Aber damit wären wir jetzt auch mal bei den positiven Dingen, denn bei all den „Vorfällen“ gibt es so vieles zu erzählen, was unmöglich in einen einzigen Text zu verpacken geht.

(c) Robert Vogel

Zuallererst genau dieses Beispiel – der Verlobte einer Arbeitskollegin borgt sich den Geländewagen eines Freundes und leiht sich einen Anhänger aus, fährt sieben (!) Stunden die knapp 550 km nach Ravensthorpe, an seinem Wochenende wohlgemerkt, um uns, zwei deutsche Backpacker, die er höchstens 4-5 mal gesehen hat, NEUN STUNDEN (!!!) lang zurück nach Fremantle abzuschleppen. Das alles am Stück, keine längere Pause, wir mussten ihm lediglich das Benzingeld und die Leihgebühr des Anhängers bezahlen und das war es. Anstatt also eine professionelle Firma zu beauftragen, wofür wir mindestens 1.700 Dollar bezahlt hätten kamen wir aus der Sache für ein Drittel des Preises raus. Australier sind im Allgemeinen sehr freundlich und hilfsbereit, zumindest bis es um Geld geht. Genau da muss man aufpassen. Mechaniker z.B. werden einiges versuchen um euch den ein oder anderen müden Dollar mehr abzuknüpfen.

(c) Robert Vogel

Aufpassen sollte man ansonsten noch vor anderen Backpackern, da dort die Gefahr am Höchsten ist, auf Arschlöcher zu stoßen, die einem ein Schrottauto als voll funktionstüchtig verkaufen oder anderweitig bestehlen wollen. Hier gilt es immer, Obacht zu geben und jeden so zu behandeln, wie man selbst gern behandelt wird. Der Großteil der Menschen, die ich bisher auf meinem Trip auf die andere Seite des Globus kennenlernen durfte, waren sehr vernünftige Leute, deren Bekanntschaft ich froh bin gemacht zu haben. Man lernt sehr viel in so einem Jahr; Selbstständigkeit, einen gewissen Ordnungssinn (da einem ansonsten alles wegkommt, wenn man ständig unterwegs ist), Respekt für andere Menschen und Kulturen und verbesserte Fremdsprachenkenntnisse einbegriffen, jedoch geht es um viel mehr als nur das. Auch wenn es sehr nach einem Klischee klingt – Selbstfindung spielt eine ebenso große und wichtige Rolle wie zum Beispiel zu lernen, mit Geld zu wirtschaften oder sich an einem fremden Ort mit der Bürokratie rumschlagen zu müssen. Egal was passiert, man hat das Gefühl, dass man alles irgendwie schaffen kann, sei es, da einem Menschen, die man erst wenige Tage vorher kennenlernte, aus der Patsche helfen oder man plötzlich nach wochenlanger Suche doch endlich einen Job findet, durch den man sich, sind wir mal ehrlich, dumm und dämlich verdienen kann hier unten. Klar, die Lebenskosten sind höher als beispielsweise in Deutschland, und trotzdem ist das Einkommen unfassbar hoch, womit man sich, wenn man etwas gut damit umgeht, einiges an Geld ansparen kann.
Australien ist DER typische Ort wenn es darum geht, das erste Mal lange alleine zu reisen. Viele Leute gehen auch in die USA um als Au-Pair zu arbeiten, auf dem roten Kontinent jedoch findet man Tausende und Abertausende von Europäern, Asiaten und Südamerikanern, die allesamt mit einem sogenannten Working Holiday Visa vor Ort sind und die Erfahrungen ihres Lebens machen wollen. Wahrscheinlich ist das auch bei Vielen der Fall. Für mich ist es jedoch nicht so. Ich habe hier bisher sehr sehr gute Menschen kennengelernt, darunter meine Freundin. Ich habe einige Dinge erlebt und Sachen gesehen, welche ich so in Europa nicht hätte erfahren können. Jedoch geht es für mich weiter. Nach meinem Jahr Work and Travel werde ich weiterhin reisen, Asien, Neuseeland, Südamerika, Kanada… Wer weiß wohin es geht, wer weiß schon wie lange. Ich will es nicht wissen.

Yesterday is the past and tomorrow the future. But today is a gift, that’s why they call it „present“.

In diesem Sinne, als einziger richtiger „Rat“ meinerseits – hört auf andere Leute zu beneiden, weil diese in der ganzen Welt unterwegs sind. Stattdessen macht es einfach genau so. Fangt an zu reisen, es gibt so viele Möglichkeiten Geld zu verdienen, es gibt so viel zu Erleben. Legt einfach los!

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