Zeit für ein Interview

Liebe Leser,

ein defekter Laptop sowie Umzugsstress hindern mich derzeit ein  wenig am Schreiben. Umso schöner, dass das folgende Interview geklappt hat.

Mein Interviewpartner ist Tobias Schlegel, freier Mitarbeiter bei der Mitteldeutschen Zeitung und ein ehemaliger Studienkollege meinerseits. Wir haben uns über das Basketballspiel der NINERS in Weißenfels unterhalten.

(c) Anett Linke

Bubitzzz: Hi Tobi. Seit wir uns kennen haben wir immer vom gestrigen Tag geträumt, einem Duell „unserer“ Vereine gegeneinander. Der Mitteldeutsche BC gegen die NINERS Chemnitz. Was waren deine Gedanken im Vorfeld?

Tobi: Es ist ein Derby und Derbys bringen immer einen gewissen Reiz mit sich. Allein schon auf den Rängen ist immer etwas los und auch auf dem Spielfeld gab es eigentlich immer packende Duelle zwischen beiden Teams. Genau das habe ich von dieser Partie erwartet und so ist es ja schließlich auch gekommen.

(c) Anett Linke

Bubitzzz: Du sprichst die Stimmung auf den Rängen an: Chemnitz ist mit zwei Fanbussen und insgesamt 250 Fans in Weißenfels eingerückt. Wie empfandest du den Support? Du hast ja nun direkt vor unserem Block sitzen dürfen.

Tobi: Wie du sagtest, saß ich genau neben eurem Block und hab alles genau mitbekommen. Ich denke, was die Trommeln und Fangesänge betrifft, war das schon recht ordentlich und es wurde eigentlich nie leise in eurem Block. Dass auch mal der eine oder andere Schmähgesang darunter war – geschenkt. Ich denke solche kleinen Sticheleien gehören auch einfach dazu, solange es im Rahmen bleibt und es nicht ausartet. Wichtig ist außerdem, dass man sich nach dem Spiel untereinander die Hand reichen kann und sogar noch ein Bierchen zusammen trinkt. So sollte es meiner Meinung nach sein. Allerdings sind an diesem Abend im Gästeblock auch nicht so schöne Dinge passiert. Dazu zähle ich das Spritzen von Flüssigkeiten (wahrscheinlich Bier) aufs Spielfeld nach dem Ziegenhagen-Dreier. Ob beabsichtigt oder nicht, sollte man sich bei sowas im Griff haben. Ich denke, ihr würdet so etwas im der Richard-Hartmann-Halle auch nicht gutheißen. Auch die Pöbeleien und Gesten sowie das Werfen von Gegenständen in Richtung der MBC-Spieler waren ein No-Go, auch wenn dies nur von vereinzelten Fans kam. Wie hoch war der Alkoholpegel bei dieser Auswärtsfahrt? Nee Spaß. Ist die Fahrt nach Weißenfels für euch die wichtigste Auswärtsfahrt des Jahres gewesen?

Bubitzzz: Das ein oder andere Hopfengetränk hat auf der Hinfahrt durchaus den Weg in unseren Körper gefunden, da hast du schon nicht Unrecht. Dass dies der Stimmung nicht abträglich war haben wir eindrucksvoll bewiesen. Du sprichst es an: Weißenfels ist das wichtigste Auswärtsspiel dieses Jahr gewesen. Nachdem ihr euch ein paar Jahre in der BBL ausgetobt habt, waren wir schon sehr aufgeregt auf das Duell. Ich denke fantechnisch war das auf beiden Seiten schon erstligareif. Gerade eure Banneraktion, sehr schick. Und sportlich läuft es ja auch bei beiden Teams dieses Jahr, nicht umsonst war das im Vorfeld das Duell des Spitzenreiters gegen den Tabellenvierten. Was denkst du, woran lag am Ende der Unterschied für euren Sieg?

Tobi: Zunächst einmal muss ich sagen, dass die Zuschauer drei Viertel lang ein Duell auf Augenhöhe gesehen haben. Chemnitz hat mit einer hohen Intensität gespielt und unter den Körben sehr stark agiert. Der MBC konnte dagegen mit einer starken Wurfquote von außen überzeugen. Zudem gab es in jeder Phase einen Spieler, der das Heft des Handelns in die Hand genommen hat. Zu Beginn war das Dominique Johnson, im zweiten Viertel Andrew Warren, nach der Pause Sergio Kerusch und Djordje Pantelic. Ich denke, dass diese individuelle Qualität am Ende den Unterschied ausgemacht hat. Außerdem wirkte Chemnitz im Schlussviertel etwas müde. Aber wie gesagt, ihr habt mit sehr viel Leidenschaft gespielt. Das ist sicher einer der Gründe für eure erfolgreiche Spielzeit?!

Bubitzzz: Auf jeden Fall. Wir haben dieses Jahr einen tiefen Kader, in dem der Großteil der Jungs verschiedene Positionen spielen und -noch wichtiger- verteidigen kann. Man merkt auch bei privaten Gesprächen mit den Spielern, dass das Teamgefüge passt und dass hierbei der sportliche Erfolg auch stimmt, macht es noch besser. Die Jungs machen Spaß! Euer Ziel kann nur der Aufstieg sein. Was wäre der ideale Playoff-Weg für euch?

Tobi: Das ist schwer zu sagen. Denn fest steht, dass die Playoffs definitiv kein Spaziergang werden, egal wie die Gegner heißen. Aus Fan-Sicht wären Duelle gegen Gotha/Erfurt im Viertelfinale und Chemnitz im Halbfinale natürlich ideal, denn das wären noch mal tolle Auswärtsfahrten. Chemnitz scheint momentan nicht ganz abwegig zu sein, Gotha wohl aber schon. Es spricht momentan viel für Paderborn, Hanau und Köln als ersten Gegner. In Köln haben wir letztens eine derbe 70:85-Packung bekommen. Ich denke, dass der MBC dieser Mannschaft wohl lieber aus dem Weg gehen möchte. Paderborn und Hanau nehmen sich finde nicht viel, denke ich. Im Halbfinale könnten wie gesagt die NINERS warten. Auf der anderen Seite des Playoff-Baums sollte Crailsheim die besten Chancen auf einen Finaleinzug und den Aufstieg haben. Das Team hat sich mittlerweile gefunden, was der MBC im Januar bei der bis dato einzigen Heimniederlage schmerzlich erfahren musste. Aber schauen wir mal, aktuell sollte das Augenmerk darauf liegen, die Hauptrunde auf Platz eins abzuschließen. Was ist dagegen euer Saisonziel? Ist die BBL kurz- oder mittelfristig ein Thema in Chemnitz?

Bubitzzz: Ich denke schon, dass das Team den Heimvorteil in den Playoffs anpeilt, schon um ein mögliches erneutes Duell mit dem MBC zu forcieren Auch wenn wir einen Lizenzantrag für die BBL gestellt haben: dieses Jahr wird es wohl eher nichts mit dem Aufstieg. Die Vereinsführung strebt diesen bis 2020 an. Ich denke, damit sind wir ganz gut bedient. Dann können wir das Derby endlich auf der ganz großen Bühne abhalten.

(c) Anett Linke

Tobi: Wie sieht es mit der Hallensituation aus, wenn ihr tatsächlich in ein paar Jahren aufsteigen solltet? Dann müsstet ihr eure Richard-Hartmann-Hölle ja verlassen, da diese den Anforderungen der BBL sicher nicht genügen wird. Was wäre die Alternative und wie sehr würde ein Auszug aus der RHH wehtun?

Bubitzzz: Genaue Details der Hallenplanung kenne ich als Außenstehender nicht. Für Topspiele kann man, wie schon zwei mal geschehen, in die Arena Chemnitz ausweichen. Dort bekommt man dann auch mehr als 5.000 Zuschauer rein. Generell würde eine Abkehr von der Harti natürlich schmerzen , doch für die Möglichkeit BBL muss man sich letztlich mit diesem Gedanken abfinden.
Tobi, vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Wir sehen uns spätestens in den Playoffs!

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